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Werbeartikel

Interview mit Sarah Beringer und Bernd Möller: Über den Sinn und Unsinn von haptischer Werbung im digitalen Zeitalter.

Die Werbeartikelbranche steht mitten in einem fundamentalen Umbruch. Bereits vor Corona hat sich abgezeichnet, dass das Konsumentenverhalten in Bezug zu haptischer Werbung sich grundlegend ändert. Durch Corona sind viele Anlässe und Events komplett ausgefallen und die Branche steht vor einem Scherbenhaufen und muss sich neu erfinden. Dennoch wird der haptischen Werbung eine Daseinsberechtigung zugesprochen – auch im digitalen Zeitalter. Welche, das werden wir von Sarah Beringer und Bernd Möller im Interview erfahren.

Thomas Schüpfer (TS): Hallo zusammen. Danke, dass ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmt, über den Sinn und Unsinn von haptischer Werbung im digitalen Zeitalter zu sprechen. Doch bevor wir das machen, stellt euch doch bitte kurz beide vor und erklärt uns kurz, was überhaupt haptische Werbung ist.

Bernd Möller (BM): Hallo Tom, wir kennen uns ja nun schon ein paar Jahre, aber für alle anderen: Nach vielen verschiedenen Stationen in der Arbeitswelt, bin ich seit nunmehr 11 Jahren bei der simcla. Meine Leidenschaft gilt nach wie vor dem Verkauf mit direktem Kundenkontakt. Die Beratung liegt mir im Blut und ich lasse mich auch heute noch gerne fordern.

Sarah Beringer (SB): Hallo Thomas. Die bunte Welt der Werbeartikel hat mich seit meiner ersten Begegnung vor bald 20 Jahren auf Anhieb begeistert und nie losgelassen. Heute bin ich unter anderem zuständig, unsere Produkte wie auch die neu entstandenen Dienstleistungen im Bereich Marketing-Beratung für KMU zu gestalten und nachhaltig erfolgreich zu vermarkten.

«Haptische Werbung sind in erster Linie reale Produkte, die sich gemäss den Vorgaben und Zielen unserer Kund*Innen einsetzen lassen, um die gewünschten Emotionen zu transportieren und damit Erlebnisse zu schaffen. Nur so kann eine Marke auch nachhaltig in Erinnerung bleiben.»

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Nicht verlangte, haptische Werbung nervt - oder?

(TS): Ich nerve mich immer wieder, wenn ich per Post zugestellte, haptische Werbung von Unternehmen erhalte, die ich nicht verlangt habe. In vielen Fällen ist diese Werbung oft sehr plump in Form eines beschrifteten Kugelschreibers oder von bedruckten Karten. Es gibt jedoch auch Werbung, die sehr umfangreich und äusserst kreativ verpackt ist. Allerdings muss ich dazu sagen, dass auch dort der Inhalt oft sehr banal ist und mir unnötige Zeit raubt, beim Auspacken. Zudem muss ich mich danach oft mit dem umweltgerechten Entsorgen dieser Werbesendung auseinandersetzen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass es heute kaum mehr sinnvolle haptische Werbung gibt?

(SB): Nein, ganz im Gegenteil. Entscheidend ist, dass die Werbung, ob nun in Form eines Direct Mailings oder auf anderen Wegen, möglichst Zielgruppengerecht ist und eine hohe Relevanz für dich als Empfänger aufweist. Wir sind überzeugt von der Wirksamkeit haptischer Werbung und der Aufmerksamkeit, die daraus entsteht. Mit den neuen Möglichkeiten cross-medial zu agieren, eröffnen sich neue Wege, um noch mehr Kund*Innen anzusprechen, und zwar über die Wahrnehmung verschiedener Sinne.

Sinnvoll ist ein Artikel dann, wenn er dazu beiträgt, die Ziele der Kund*Innen zu erreichen. Dies gelingt auf verschiedensten Wegen.

Unter Berücksichtigung von wichtigen Aspekten wie Zielgruppe und Botschaften, lassen sich massgeschneiderte haptische Artikel wunderbar in verschiedenste Marketing- & Kommunikations-Massnahmen einbinden. Hier sind Qualität und Nutzen eines Artikels entscheidend, damit er zum Einsatz kommt und lange bleibt.

(TS): Welches sind heutzutage eure grössten Herausforderungen, um Menschen von dem Einsatz von haptischer Werbung für ihr Marketing zu begeistern?

(BM): Die für uns grösste Herausforderung sehe ich im Aufzeigen der vielfältigen Möglichkeiten, einen Werbeartikel gekonnt und gezielt einzusetzen. Viele reduzieren den (Begriff) Werbeartikel zu oft und zu schnell auf Kugelschreiber, Schlüsselanhänger und Co. und sehen somit keinen Bedarf oder Nutzen für ihr Unternehmen. Dass es da dann doch noch vielmehr Möglichkeiten gibt, finden wir dann oft gemeinsam bei einem Besuch oder einem Telefonat heraus. Im Grunde ist es mittlerweile so, dass sich «alles» branden lässt.

Des Weiteren steigen die Kundenanforderungen an die Produkte, aber mit unserem grossen Erfahrungsschatz und Marktkenntnissen, haben wir noch immer das passende Gadget gefunden. Mit Erlebnis zum Erfolg – das ist unser Ziel für jedes Kundenprojekt.

(TS): Haptische Werbung im digitalen Zeitalter, das ja auch gleichzeitig das Zeitalter des Klimawandels ist, muss nicht nur einen Nutzen für alle Beteiligten erbringen, sondern muss auch sehr umweltfreundlich sein? Ist das überhaupt möglich, denn die meisten Werbeartikel werden ja hauptsächlich produziert, um Unternehmens- und Markenbotschaften eine Zeitlang zu transportieren und danach entsorgt. Viele Produkte kommen auch aus dem asiatischen Raum, was wiederum sehr grosse CO2-Verschmutzungen alleine schon auf dem Transportweg bis in die Schweiz verursacht. Wie geht ihr mit diesem Thema um?

(BM): Natürlich macht der Trend zum nachhaltig produzierten Artikel vor der Werbeartikel-Branche nicht halt. Das ist auch gut so. Neue Verfahren ermöglichen umweltschonendere Produktionen verschiedenster Artikel (Fernost und Europa). Der Standort Europa geht zudem gestärkt aus der «Corona-Krise» hervor. Es wird einiges in neue Produktionsstätten investiert, vor allem bei der effizienten Nutzung bestehender Materialien aber auch bei der Entwicklung neuer, nachhaltiger Materialien und Produktionsverfahren. Und es ist zum Beispiel ein Irrglaube, dass Waren aus China transportiert per Schiff, immer eine grössere CO2-Verschmutzung mit sich bringen als ein Transport per LKW von einem europäischen Anbieter.

Das Thema Nachhaltigkeit muss jedoch ganzheitlich angeschaut werden und sich nicht nur auf die Wahl des Artikels beschränken. Es ist wichtig zu verstehen, wie und wo ein Artikel produziert wird. Die Wiederverwertbarkeit, soziale Aspekte, nachhaltiges Branding, Verpackungsvarianten sowie die Transportwege sind weitere Aspekte, die zwingend mitberücksichtigt werden müssen, um einem Werbeartikel das Label «nachhaltig» zu verpassen.

(TS): Grossunternehmen und bekannte Marken setzen auf haptische Werbeartikel. Die entsprechenden Anlässe und Events sind vorhanden und nicht zuletzt auch die Marketingbudgets. Doch wie sieht es im Schweizer KMU-Umfeld aus? Oftmals sind KMU nicht die Marketing- und Kommunikationsprofis sondern Spezialisten in ihrem jeweiligen Bereich. Auch sind die Absatzmengen für haptische Werbung nicht annähernd in dem Bereich, wie es bei Grossfirmen und bekannten Marken ist. Lohnt sich daher die Investition in haptische Werbung für ein KMU?

(SB): Das Bestellverhalten hat sich selbst bei den grossen Unternehmen gewandelt. Je nach Ausrichtung kommen auch die «Bigplayer» weg von grossen Mengenbestellungen und legen sich keine grossen Lagerbestände mehr an. Jedes Unternehmen will flexibler agieren können, wenn sich die äusseren Umstände ändern.

Wir decken mit unseren Dienstleistungen auch den Bedarf für kleine und mittelgrosse KMU in der Schweiz ab. Mit der Erweiterung unseres Angebotes, KMU im Bereich von Marketing & Vertrieb zu beraten, erarbeiten wir gemeinsam eine passende Strategie. Hierbei können Werbeartikel zum Einsatz kommen. Werbemittel müssen nicht immer in grossen Mengen produziert werden, sondern den Zielen der Kampagne angepasst sein. Natürlich bestimmt oft die Menge den Preis aber ein gut gewähltes Give-away darf seinen Preis haben, wenn es gewinnbringend eingesetzt werden kann. Schliesslich ist ein professionelles Branding die Visitenkarte eines Unternehmens und etwas sehr Persönliches.

TS: Danke für das interessante Interview.

Thomas schuepfer 190401 131659
Ihr Autor

Thomas Schüpfer

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