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Tom Schüpfer

Interview mit Thomas Schüpfer: Löst Employer Branding den Fachkräftemangel?

Viele Unternehmen lechzen nach Fachkräften und geben in vielen Fällen alles und noch mehr, um solche für das eigene Unternehmen zu begeistern und zu gewinnen. Oft wird viel Geld in Marketingmassnahmen gesteckt, um am Markt aufzufallen. Auch in den sozialen Medien werden viele Inhalte wie z.B. Einblicke in das Unternehmen oder Mitarbeiterporträts veröffentlicht. Alles hat sicherlich seine Berechtigung und macht das eigene Unternehmen bekannt. Doch reicht das? Im Interview geht Thomas Schüpfer, Unternehmer der 3W-GROUP, auf diese Frage ein. Viel Spass.

KI: Tom, so nennen dich ja alle, kannst du uns kurz aufzeigen, welche Erfahrungen du im Moment am Markt machst in Bezug auf den Fachkräftemangel in Unternehmen?

Thomas Schüpfer (TS): Gerne. Seit einiger Zeit suchen viele Unternehmen nach geeigneten Fachkräften. In vielen Unternehmen gehen in den kommenden Jahren langjährige und erfahrene Mitarbeitende in Pension. Diese müssen ersetzt werden. Allerdings gibt es auch extrem viele StartUps, die jetzt gerade während der Corona-Pandemie gegründet wurden. Das heisst, viele Menschen machen sich im Moment selbstständig und sind so vom Arbeitsmarkt weg. Der Arbeitsmarkt ist in einem fundamentalen Wandel und die Arbeitgeber müssen sich diesem stellen und sich auch fundamental verändern. Das fällt sehr vielen Unternehmern schwer.

KI: Bei vielen Unternehmen stellt man eine gewisse "Aktionitis" fest. Verglichen kann das werden mit "Feuerlöschen". D.h. viele Unternehmen investieren im Moment in diverse Marketingmassnahmen, um an neue Mitarbeitende zu kommen. Profiteure davon sind vorallem Agenturen, Social Media Plattformen und andere Marktteilnehmer. Sind solche Massnahmen langfristig zielführend?

Tom Schüpfer

Sinnhaftigkeit steht vor Marketingschnellschüssen

TS: Genau im Wort "langfristig" liegt der Punkt. Der Fachkräftemangel im Unternehmen ist jetzt und daher müssen Massnahmen her, die jetzt diesen Mangel decken. Leider sind diese Massnahmen oft nur Kommunikationsmassnahmen, die wie erwähnt vorallem Deckungsbeitrag in Agenturen generieren und Social Media Plattformen mit Inhalten überschwemmen lassen. Unternehmen gehen oft den einfachsten Weg, um auf sich aufmerksam zu machen und so neue Mitarbeitende zu gewinnen. Bei solchen Massnahmen wird jedoch vergessen, dass ein guter Mitarbeitende heute die Wahl hat, wo er sich bewerben möchte und gerade junge Menschen suchen vorallem nach sinnstiftender Arbeit, was bei der älteren Generation noch nicht primär so im Vordergrund stand. Wenn ich sehe, was Unternehmen teilweise für Marketingkosten generieren, indem beispielsweise Videos produziert werden, die Botschaften aus dem Unternehmen vermitteln, diese Videos dann in Recruiting-Plattformen gestellt und so jährlich grosse wiederkehrende Kosten generiert werden, da stehen mir teilweise die Haare zu Berg.

KI: Was würdest du anders machen? Wie würdest du vorgehen?

TS: Ich würde eine strategische Arbeitgebermarke, also ein Employer Branding, im Unternehmen aufbauen und etablieren. Das bedeutet, dass ich mich zuerst dem Problem stellen würde, weshalb ich keine passenden Mitarbeitenden finde und erst weit hinten danach die Kommunikationsmassnahmen definieren würde. Denn aus Erfahrung weiss ich, dass in sehr vielen älteren Unternehmen eines der grössten Probleme darin liegt, dass diese Unternehmen keine konkrete Vision verfolgen, oft auch keine klar definierte Mission vorhanden ist und auch die Unternehmenswerte meist sehr schwammig definiert sind und gar nicht gelebt werden. Vision, Mission und Werte geben schon sehr viel Auskunft darüber, welchen Sinn das Unternehmen hat und verfolgt - also in der heutigen Zeit quasi die Basis dafür, zukünftige Mitarbeitende überhaupt richtig anzusprechen.

KI: Der Aufbau einer strategischen Arbeitgebermarke kostet sicherlich sehr viel Geld und Zeit. Kann sich das ein KMU überhaupt leisten oder ist das nur etwas für Grossfirmen?

TS: Eine Arbeitgebermarke kostet etwas - vorallem Zeit. Es ist nicht realistisch, eine solche aufzubauen und dann zu denken, dass sich innerhalb von ein paar Wochen alles ändert und die Bewerbungen nur so hereinflattern. Jedes Unternehmen kann sich eine Arbeitgebermarke und die damit verbundene Positionierung als Arbeitgeber leisten. Die Frage ist, wie dieser Prozess angegangen wird und wer alles im Unternehmen dahintersteht. Wie es der Name Arbeitgebermarke schon ausdrückt, handelt es sich dabei um eine Marke des ganzen Unternehmens. Das heisst, die Arbeitgebermarke muss von ganz oben bis ganz unten gelebt werden. Das ist zu Beginn des Markenaufbaus oft nicht ganz einfach, da in KMU das Verständnis für eine Arbeitgebermarke oftmals zuerst geschaffen werden muss. Im Wort Arbeitgebermarke sind die Wörter Arbeitgeber und Marke enthalten. Das zeigt auch schön, welche Unternehmensbereiche sicherlich mit dem Aufbau einer solchen konfrontiert werden. Nämlich die Geschäftsleitung, das Marketing sowie die Personalabteilung. Diese bilden das Kernstück beim Aufbau. Weitere interne Stellen oder Ressourcen werden individuell beigezogen.

KI: Was rätst du Firmen, die aus irgendwelchen Gründen keine Arbeitgebermarke aufbauen wollen und einfach Marketingmassnahmen umsetzen, um die Bekanntheit am Arbeitsmarkt zu steigern?

TS: Solchen Unternehmen rate ich Folgendes: Primär sollen sie sich wirklich Gedanken darüber machen, wie sie die Sinnhaftigkeit ihres Unternehmens definieren - also die Frage nach dem WARUM es sie gibt und was sie für die Menschheit tun. Danach sollen sie sich auf eine Kernbotschaft einigen und diese in Marketingmassnahmen umsetzen. Wichtig ist einfach zu wissen, dass dies kurzfristig erfolgreich sein kann. Mittel- bis langfristig ist es jedoch nicht zielführend.

KI: Fazit ist also, dass ein Employer Branding, also der Aufbau einer Arbeitgebermarke, etwas gegen den Fachkräftemangel tun kann. Stimmt das?

TS: Das kann man so sagen. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass sich immer mehr Unternehmen mit einem Employer Branding, also dem Aufbau einer Arbeitgebermarke, auseinandersetzen und eine solche realisieren. Daher wird es in Zukunft nicht einfacher, an Fachkräfte zu kommen, zumal es ja oft dieselben Menschen sind, die die Unternehmen untereinander suchen. Während im Moment vielleicht noch Benefits eine Rolle spielen, wird in Zukunft garantiert der Sinnfrage viel mehr Gewicht beigemessen. Unternehmen, die eine klare Vision verfolgen und die Antwort auf das WARUM haben, werden in Zukunft auch die richtigen Mitarbeitenden ansprechen. Davon bin ich überzeugt. Also ran an die Hausaufgaben.

KI: Danke für das interessante Interview.