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Interview mit Thomas Schüpfer: „Unbeweglichkeit und fehlendes Wissen bremst Industrielle bei der Digitalisierung.“


Digitale Transformation, digitale Geschäftsmodelle, agile Arbeitsformen, Industrie 4.0. Das sind die Buzzwords in der heutigen Arbeitswelt. Und gleichzeitig die grossen Herausforderungen für Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen. Thomas Schüpfer, CEO der 3W-GROUP, blickt auf langjährige Erfahrung zurück, wenn es darum geht, Industrieunternehmen „zu digitalisieren“. Wir fragen ihn, wo er die digitalen Knackpunkte in industriellen KMU sieht.

Während in einigen Grosskonzernen bereits aktiv und intensiv an Digitalisierungs-Themen gearbeitet wird, scheint man in Schweizer KMU noch den Schlaf der Gerechten zu geniessen. Die „brenzligen“ Angelegenheiten werden vor sich hergeschoben.

Interview mit Thomas Schüpfer, CEO der 3W-GROUP

Thomas Schüpfer ist seit 1998 ein Teil der digitalen Welt. Er gründete damals die 3W-PUBLISHING AG und realisierte als Pionier in diesem Bereich Internetauftritte für Unternehmen. Heute, 19 Jahre später, ist er als CEO der 3W-GROUP erfolgreich unterwegs. Er beratet und begleitet industriellen KMU in der Deutschschweiz in der digitalen Welt. Und bietet auch die gesamte Umsetzung der nötigen Massnahmen an. Thomas Schüpfer zeigt seinen Kunden nicht nur SOLL-Perspektiven auf, sondern lebt diese selber auch gleich mit – in den eigenen 3W-Unternehmen oder direkt bei seinen Kunden.

Im Interview mit ihm gehen wir darauf ein, welches seine grössten Herausforderungen sind, die er täglich zu meistern hat.


K.I.: Herr Schüpfer, in den letzten Jahren hat sich um Sie und Ihre 3W-Unternehmen Einiges getan. Seit 1998 steuern Sie Ihre Marke „3W“ erfolgreich durch das Universum des Internets. Wie erleben Sie diese Zeit?

Thomas Schüpfer: Ja, die Zeit vergeht. Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich gestern erst den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Dass jetzt schon bald 19 Jahre vergangen sind, zeigt, in welcher Schnelllebigkeit wir uns bewegen. Bei der Gründung der damaligen 3W-PUBLISHING befand ich mich im Zeitalter der ersten Internetversuche unter Microsoft Windows 95 und 98. Damals dachten wir, was dies Weltbewegendes sei. Ich gestaltete und programmierte Websites mit den einfachsten Mitteln in meiner Dachwohnung und träumte schon dazumal von einer Welt, in der die 3W einmal Grosses bewegen würde.


Grosses bewegen ist genau das richtige Stichwort. Denn das haben Sie in den vergangenen Jahren getan. Durch Ihre Impulse und Ihren unbändigen Drang, Menschen zu grossem Denken und Handeln zu befähigen, ist Ihre eigene Marke 3W gewachsen. Darüber hinaus treiben Sie auch Ihre Kunden – industrielle Unternehmen an, positiv in die Zukunft zu blicken. Man hat das Gefühl, dass Ihnen das alles einfach fällt und Sie auf keine Herausforderungen treffen. Stimmt dieser Eindruck?

Das ist so nicht ganz korrekt. Ja, die Aufgaben fallen mir leicht und die Herausforderungen kann ich alle meistern. Allerdings auch nur, weil ich mich jedes Jahr weiterbilde und mich vor allem die Zukunft brennend interessiert. Ich liebe Veränderungen und suche sie aktiv. Und genau diese Neuerungen sind es, die bei meinen Tätigkeiten in der Industrie oftmals sehr grosse Hürden darstellen.

„Ich bilde mich jedes Jahr weiter und interessiere mich brennend für die Zukunft.“

 

Was meinen Sie damit?

In den Industrie-Unternehmen, in denen ich mich aufhalte, treffe ich häufig auf langjährige Mitarbeitende und auf familiengeführte Geschäftsleitungen. Diese Menschen machen die Kultur der Firma aus und geben auch den Drive des Unternehmens vor. Das Wort „langjährig“ steht im direkten Konkurrenzkampf zu der heutigen kurzlebigen Denkweise. Entsprechend gross ist mein Aufwand zur Veränderung, um mit diesen Menschen den nötigen Drive für die digitale Zeit zu entwickeln.

 

Aber mit dem Drive alleine ist es doch nicht gemacht? Wie sieht es bei diesen Mitarbeitenden denn mit dem Willen und dem Wissen um die Zukunft aus?

Genau dort liegt der Hund begraben. Der Wille zu Neuerungen fehlt oft aufgrund des fehlenden Wissens. Ich treffe heute auf viele Mitarbeitende, die seit zehn, zwanzig oder mehr Jahren im Unternehmen sind und ihrer Arbeit nachgegangen sind, ohne dabei in grösserem Rahmen Wissen aufzubauen. Diese Mitarbeiter leben heute noch mit der Denkweise, dass es auch in Zukunft so weitergeht. Aus meiner Sicht ist das ein tödlicher Irrtum für das Unternehmen.

„Den Mitarbeitenden in industriellen KMU fehlt häufig das digitale Wissen.“

 

Sie sprechen vor allem das Wissen um die Digitalisierung an, oder? Wie steht es denn diesbezüglich in den Führungsetagen dieser Unternehmen?

Ich spreche insbesondere das Thema der Digitalisierung an. In den Geschäftsleitungen herrscht grosse Unklarheit, welchen Einfluss die Digitalisierung auf das Unternehmen haben wird. Nebst dieser Ungewissheit fehlt auch das digitale Wissen. Folglich ist die Nutzenerkennung der digitalen Transformation schlicht nicht vorhanden.

Dies führt unwillkürlich dazu, dass in diesem Bereich auch keine Projekte angestossen werden. Wie soll sich auch ein Unternehmer, der bis jetzt selber den Schritt in Facebook oder XING nicht gewagt hat, plötzlich mit der Digitalisierung seiner Geschäftsmodelle befassen? Der nötige Denkprozess muss zuerst stattfinden. Eine sogenannt responsive Website alleine, die auf allen Endgeräten korrekt dargestellt wird, ist noch lange keine Digitalisierung. Die Anforderung, dass das Unternehmen im Internet gut gefunden wird, ohne jegliche Definition, WER überhaupt das Unternehmen in welchen Regionen finden soll, zeigt das digitale Niveau der Unternehmer von industriellen KMU deutlich.

„Der nötige Denkprozess, was die Digitalisierung alles Bewirken kann, muss zuerst stattfinden.“

 

Was empfehlen Sie Unternehmern, die sich schwer tun mit der Digitalisierung? Die gewissermassen eingefroren sind in ihrer Denkweise?

Dorthin zu gehen, wo es wirklich weh tut. Das bedeutet, alles und jeden im Unternehmen zu hinterfragen. Sich zu überlegen, ob das eigene Unternehmen, so wie es heute steht, auch in fünf oder zehn Jahren noch eine Daseinsberechtigung hat. Es schadet auf keinen Fall, wenn Unternehmer zu starken Visionären werden und sich von ihrer eigenen Zukunft ein Bild im Kopf skizzieren.

Eines ist sicher: Auch, wenn ein Unternehmen seit mehreren Jahrzehnten besteht, bedeutet das nicht, dass es in den nächsten Jahrzehnten noch existieren wird. Offenheit für die komplette Veränderung, lautet die Zauberformel. Verlassen der Komfortzone und Investition in Bildung und Innovation sind die Treiber der Zukunft.

 

Eine starke Formel. Und wie lautet Ihr starkes Schlusswort?

Ein Unternehmer muss zum Visionär werden! Und ich helfe gerne dabei.

 

Danke für das Interview.


Kategorien
#Digitaler Wandel

Stichworte
Digitalisierung, Digitale Transformation, Digitale Geschäftsmodelle, Digitales Know-how, Weiterbildung

Thomas Schüpfer

Thomas Schüpfer

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