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Wohin marschiert die neue Robotergeneration, Professor Burgard?


Wolfram Burgard leitet die Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme, AIS, an der Uni Freiburg, ist Leibniz-Preisträger und hat 2012 mit seinem Forscherteam Roboter Obelix entwickelt; der kann ohne Fernbedienung von A nach B spazieren. Aber wohin marschiert die neue Robotergeneration heute? In seinem Vortrag an der IHK Freiburg im Breisgau hat der Robotik-Professor einen spannenden Ausblick gegeben.

Wolfram Burgard über „die neue Robotergeneration – intelligent, clever autonom entscheidend“ 

„Es tut sich extrem viel in der Roboterentwicklung“, sagt der Informatiker Burgard ergänzt gleich: „aber es wird auch noch viel schief gehen“. Beim selbstfahrenden Tesla-Auto ist es gut gegangen, wie der Video-Mitschnitt „Autopilot sieht Unfall voraus!“ zeigt. Der Autopilot konnte eine Sekunde, bevor zwei Autos vor ihm zusammenstossen, bremsen. Zuerst ertönt das Bremssignal, erst dann knallt es vorne. Das angefahrene Auto überschlägt sich. Der Tesla kommt in sicherem Abstand zum Stehen. „Während der Fahrt nimmt der Autopilot laufend die Position aller anderen Fahrzeuge und ihre Bewegungen wahr“, erklärt Burgard. Ein intelligentes System könne aufgrund der rundum gesammelten Daten eben Abläufe vorausberechnen, die wir Menschen unmöglich voraussehen können. Hier sei ein Sicherheitsplus im Strassenverkehr zu erwarten. Wobei sich die Systeme auch noch weiter entwickeln müssten, um auf plötzliche Veränderungen oder unerwartete Bewegungen zu reagieren. Was heisst es zum Beispiel, wenn ein Fahrradfahrer den Arm nach links ausstreckt? Da müsse das System lernen, dass der Radler gleich links rüber zieht. Einer seiner Studenten habe sich mit diesem Spezialthema beschäftigt. Beim AIS-Auto, an dessen Programmierung Burgards Arbeitsgruppe zur Zeit arbeitet, gehe es auch um Positionsschätzungen. Das Auto „sieht“ durch Scans. Aus 200.000 Hypothesen müsse das System durch Datenabgleich die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und seine Position in der Umgebung bestimmen können. „Vielleicht sehen Sie schon bald unser AIS-Auto durch Freiburg fahren“, sagt Burgard und lacht. 

Deep Learning – macht Roboter clever

Zentral für die heutige Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz? „Deep Learning“. Eine Methode, die mit umfassenden Lernalgorithmen zu neuen Lernerfolgen führen soll. Da geht es beim Autofahren nicht nur um das korrekte Fahren nach der Strassenverkehrsordnung, sondern auch um die mögliche Anpassung an länderspezifische Besonderheiten. „In Griechenland habe ich einmal einen Freund gefragt, wie viele Spuren es bei ihnen eigentlich gibt“, erinnert sich Burgard. „Jeder Fahrer hat seine“, sei die Antwort gewesen. Diesen Landesstil und auch den individuellen Stil des Fahrers werde man bei selbstfahrenden Autos in Zukunft zusätzlich berücksichtigen können. Auch wenn wir an Roboter als individuelle Hilfe denken, gleich ob im Haushalt oder bei der Lagerarbeit in der Produktion, lernen sie mit Deep Learning dazu: Zum Beispiel welche Präferenzen jemand hat. Die Einkäufe sollen verräumt werden: Wohin damit in der Wohnung und wohin mit den einzelnen Sachen? Steht das Salz hier beim Zucker oder nicht? Bei Arbeitsabläufen sei es ganz wichtig, neue Situationen zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Burgard zeigt einen Video-Clip der Firma Boston Dynamics. Hier wird Atlas, der dynamischste Humanoid der Welt, wie das Spin-off des MIT, Massachusetts Institute of Technology, den Roboter nennt, von Mitarbeitern geärgert, gestört, sogar gestossen. Immer wieder rappelt er sich auf – bis er hinfällt. Gemein. Der Roboter tut einem richtig leid. Wolfram Burgard findet das auch nicht so lustig. Schliesslich hatte er eingangs erwähnt, wie viel Arbeit und Forschungsgelder in so einem Roboter stecken. „Da kann schon was kaputt gehen, wenn der hinfällt“. Aber in dem Clip steht Atlas schon wieder auf und marschiert aus dem Lager hinaus.

 

Universitätsprofessor Wolfram Burgard

Wolfram Burgard ist Professor für Informatik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau und arbeitet mit Unternehmen wie Bosch, Kuka und Toyota zusammen.

Fotograf: Emil Bezold


Kategorien
#Unternehmenszukunft #Digitaler Wandel #Prozessdigitalisierung

Stichworte
Robotik, Roboter, intelligente Systeme, Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, Tesla, Deep Learning, Präferenzen, Lernalgorithmen, Arbeitsabläufe

Ursula Thomas-Stein

Ursula Thomas-Stein

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